Die Story
Für Nachwuchs-Yautja Dek kommt es knüppeldick: sein Vater sieht in ihm das schwächste Glied des Jäger-Clans und Deks unermüdliches Bemühen, sich als würdiger Predator zu beweisen, endet im Tod seines Bruders Kwei und einer Bruchlandung auf dem gefürchteten Todesplaneten Genna. Um zu einem wahren Yautja aufzusteigen, beginnt der geplagte Dek die Trophäenjagd auf den Kalisk, eine Kreatur, die selbst seinem Vater Furcht einflößt. Doch nicht nur dieses als unbesiegbar geltende Monstrum steht zwischen dem Jüngling und seiner Ehre, sondern auch ein aggressives Wildleben und eine lebensfeindliche Flora und Fauna, die die Bedrohungen von allen Seiten auf Dek hetzt. Unfreiwillig verbündet sich der kodextreue Jäger schließlich mit der halbierten Weyland-Yutani-Androidin Thia, die im Auftrag ihrer dubiosen Coorperation ebenfalls ein Interesse an dem Kalisk verfolgt. Jene Coorperation wiederum ist dem ungleichen Duo in Gestalt von Thias Androiden-Schwester Tessa auf den Fersen …
Die Kritik
Hach, das „Predator“-Franchise … Unerreicht der Ursprung aus dem Jahr 1987, jener brachiale Macho-Actioner, der so gekonnt wie subversiv in einen der effektivsten Horror-Slasher ever umschlug und eines der legendärsten Filmmonster der Geschichte etablierte; bis heute unverdaut der komplette Absturz mit dem grauenhaften „The Predator“ aus dem Jahr 2018. Und dazwischen? Rauschte die Yautja-Sause in fünf weiteren Outings einer Berg-und-Tal-Bahn gleich durch einige Hochs und manches Tief. Bis schließlich 2022 „10 Cloverfield Lane“-Macher Dan Trachtenberg mit „Prey“ ums Eck kam und den außerirdischen Trophäenjäger so unerwartet wie gekonnt endlich wieder nah an die Qualität des McTiernan-Erstlings brachte. Starkes Setting, der Plot back to basics und der redesignte Yautja endlich wieder ein hässliches Bastard-Vieh zum Fürchten.
Da klickte offensichtlich was zwischen Trachtenberg und der neben „Alien“ wohl ikonischsten SciFi-Horrorreihe, und so legte der ehemalige Podcast-Host und Serien-Regisseur mit der animierten Anthologie „Predator: Killer of Killers“ und schließlich „Predator: Badlands“ im Jahr 2025 gleich per Doppelschlag nach. Statt den Trend von „Prey“ und „Killer of Killers“ fortzuführen, sprich den ruchlosen Rückgratrausreißer in unterschiedlichen historischen Epochen auf Menschenjagd zu schicken, erfüllt Trachtenberg mit „Badlands“ einen lange gehegten Fan-Traum: erstmals ist der Predator nicht dosiert eingesetzter Anta-, sondern voll frontal inszenierter Protagonist einer Story, die tiefer in die Hintergründe und das Mysterium rund um die Sportshunter eintaucht.
So ein wenig jedenfalls. Mit dem casual viewer im Hinterkopf, der nicht bis zum Nacken in der Yautja-Lore steckt, ist es wohl ein unabdingbarer Kompromiss für „Badlands“, die außergewöhnliche Prämisse eines Predator als Hauptcharakter und driving force der Geschichte an sehr konventionelle Genremuster und -motivationen zu knüpfen. Mehr noch als visuell wird der im Vergleich zu seinen Spezies-Primussen schmächtige, kleingeratene Dek auf emotionaler Ebene „angemenschlicht“. Bisschen wie bei vernarrten Haustierbesitzern, die allzu menscheigene Gefühle, Konflikte und Bedürfnisse auf ihre Vierbeiner projizieren, koppelt Trachtenberg die Yautja-Werdung seines Jägers an einen Dad-Komplex, an Rachegelüste, Schuldgefühle und den puren kindlichen Trotz des Nachwuchses, es der Vorgeneration beweisen zu wollen und sich dafür an den widrigst möglichen Umständen abzuarbeiten.
Das ist allerdings im Kontext des Films und des Predator-Kosmos allgemein völlig fein. Diese Motive gliedern sich relativ nahtlos im bekannten und seit Jahrzehnten über Medien wie Comics und Videospiele weitergesponnen Kodex um die Ehre der Jäger ein. Es ist genau diese altspartanische „kein Platz für die Schwachen“-Hierarchie voll paternalisierter Gewalt, die man reibungslos an die Yautja klatschen kann, ohne ihren Mythos zu beschädigen. Das liefert einen emotional exakt so berechneten, aber dennoch wirksamen Zugangspunkt zu einem „Helden“, der trotz dezenter Aufhübschung noch immer der von Arnold Schwarzenegger beschworene ugly motherfucker ist, um ihn dem Publikum schmackhafter und seine Reise verfolgenswerter zu servieren. Hätte man sich vielleicht dennoch gewünscht, die Yautja-Welt etwas weniger konventionell zu erforschen, „Predator: Badlands“ mit mehr einheimischer Würze statt des erprobten Salzes und Pfeffers zu versehen?
Zugegeben, schon ein wenig. So gerät der Film auf Plot-Ebene sehr generisch, und über den Umstand hinaus, nicht einem beliebigen Hollywood-Handsome, sondern einem brüllenden und klickgurrenden Mandibel-Ungeheuer zuzusehen und -zuhören, passiert wenig Überraschendes. Auch den puren Horrorelementen seiner Vorgänger wird „Predator: Badlands“ abtrünnig und setzt auf ein Action-Adventure mit odd couple-Dynamik im Zentrum. Der mürrische Dek und die zweigeteilte Androidin Thia, herrlich begeisterungsfähig halbverkörpert von Elle Fanning, müssen sich auf einem Planeten zusammenraufen, auf dem einen selbst das Gras in Scheiben schneidet und nicht ein Pflänzchen blüht um bloß hübsch auszusehen. Das ist tonal weit weg vom gritty Yautja-Massaker, das manch einer sich wohl gewünscht hätte, aber dennoch schwerst unterhaltsames Blockbuster-Kino. Der Film hat so viel Tempo, ein solch steiles Aufwärts-Pacing mit gut getimten Momenten zum Runterkommen für Figuren und Zuschauer, dass man sich dem puren Entertainment-Wert einfach nicht entziehen mag. Selbst wenn vorm inneren Auge ab und zu ein berstigerer, bösärschigerer Predator läuft …
Was aber nicht bedeutet, „Predator: Badlands“ würde zu weichgewaschenem Familiennachmittagsprogramm verkommen, das man Omi Bärbel ebenso vorsetzen kann wie Kindergarten-Kira. Trachtenberg lässt Dek (und nicht nur den) sehr anschaulich schnetzeln und metzeln, diesmal halt nicht durch Knochen und Gedärm von Söldnern, Cops, Voodoo-Gangstern oder Xenomorphs, sondern durch Syntheten und Getier. Das ist deutlich entschärfter, als es die Gore- und Gewalt-Höhepunkte der Vorgänger waren, verwischt aber nicht zu aufgesetzter Zimperlichkeit: der Film hält drauf und schneidet nicht scheu weg, wenn Gliedmaßen fliegen und Körper zerlegt werden. Und spätestens wenn Dek sich Richtung Finale mit Hilfe der planetaren Ressourcen und Werkzeuge zum organischen Proto-Predator formt bekommt er Sequenzen und Momente, die es in ihrer Bad Ass-Inszenierung mühelos mit den ikonischsten Shots der früheren Franchise-Einträge aufnehmen können.
Die rule of cool ist „Predator: Badlands“ dabei um einiges näher als der Schulterschluss mit dem filmischen Ursprungsmaterial. Logisch, Dek muss nicht heimlich und versteckt hinter Büschen und der patentierten Tarnvorrichtung gehalten werden wie seine antagonistischen Vorgänger, der kann im Angesicht des Zuschauers seine Pred-Moves aufführen. Die offenbaren leider ab und an die wohl markanteste Schwäche des Films: dass Trachenberg hier nicht annähernd das Effekt-Budget einer Marvel-, „Star Wars“- oder, behüte, einer „Avatar“-Produktion zur Verfügung stand (und der entscheidende Anteil davon sicher in Deks Gesichtsanimation geflossen sein dürfte), macht sich in einigen sehr ungelenken CGI-Shots überdeutlich bemerkbar. Ist einerseits ganz cool, einen Yautja in seiner ganzen fidelen Grazie durch Höhlen und Bäume hüpfen zu sehen, nur fühlt sich das Geschehen in diesen Momenten wie eine komplett gewichtslose Jump‘n‘Run-Passage auf der PlayStation an. Da hätte ein reduzierterer Ansatz dem Geschehen besser gestanden, mit zwei, drei Tarzan-Einlagen weniger wär’s auch gut gewesen.
Dennoch: „Predator: Badlands“ ist eine absolut runde Angelegenheit und innerhalb eines wahnsinnig wackeligen und wankelmütigen Franchise sicher nicht der wagemutigste, aber doch wahrscheinlich fast bestmögliche Ansatz, um einer übermolkenen Kuh doch noch ein paar vitalisierende Spritzer Milch zu entlocken. Im Gegensatz zum letztlich banalen „auf Nummer sicher“-Mittendrinquel „Alien: Romulus“ traut Trachtenberg seiner Titelfigur und ihrem Publikum eine interessante Neuausrichtung zu, die einem wenig abfordert, aber genug bedient, um mit Bock auf mehr aus der Nummer rauszugehen. Auch wahnsinnig abgegrabbelte Tropes und Turns und Referenzen der Story bekommt Trachtenberg wenigstens mit Bildern inszeniert, die schmissig genug sind, um eine verzeihliche Haltung gegenüber der Tatsache zu erzeugen, dass sie überhaupt auftauchen. Etwas, woran der erwähnte Wiederkäuer „Alien: Romulus“ fundamental gescheitert ist. Nach dem vollständigen fall from grace „The Predator“ ist Trachtenbergs Vision mit „Prey“, „Predator: Killer of Killers“ und „Predator: Badlands“ nicht das übergeilste, aber auf jeden Fall auch nicht das verkehrteste, das dem Yautja hätte passieren können.
Wertung & Fazit
Bisschen im Düstern präsentiert teilweise, aber ohne großes Schnittmassaker sauber gefilmte Sequenzen mit Bumms und Wumms und auch einigen Igitt-Momenten. Einfallsreiches Creature Design noch obendrauf.
Hier ist weniger das „was“, sondern das „wie“ entscheidend. Die Story ist generisch, legt aber einen jederzeit unterhaltsamen Weg zu ihren vorhersehbaren Zielen zurück.
Bringt keine ausschweifenden Moralbotschaften oder psychologische Komplexität mit sich, ist aber dennoch mehr als ein stumpfes Metzelfest und durchaus mit einigen Raffinessen versehen.
Kann man drüber streiten, ob ausgerechnet ein „Predator“-Film in dieser Kategorie punkten sollte – kann man aber auch lassen. Im Gegensatz zum bodenlosen und anstößigen „The Predator“ funktionieren die gelegentlichen humoristischen Brüche hier weitestgehend.
Dimitrius Schuster-Koloamatangi verleiht Dek eine tolle Physis. Elle Fanning ist in ihrer Doppelrolle absolut delightful, sowohl als unverwüstliche Thia, wie auch als deutlich bedrohlichere Tessa.
Dan Trachtenberg hat Bock auf Predator und das merkt man. Zwar sitzt nicht ausnahmslos jede seiner Entscheidungen und „Predator: Badlands“ ist auch nicht ganz so stark wie „Prey“ inszeniert, dennoch scheint das Franchise hier in fähigen und begeisterungsfähigen Händen.
„Predator: Badlands“ platziert sich (auch mangels Konkurrenz natürlich) mühelos auf den vorderen Plätzen des Franchise. Weg vom harten SciFi-Horror, hin zum kauzigen Space Action-Adventure zwar, aber dennoch kratzbürstig genug, um sich ehrenvoll in der Reihe einzugliedern. Hoch unterhaltsamer Yautja-Joint und gutes Zeichen, dass wenigstens diese Reihe ihre Zeit noch nicht komplett überschritten hat, auch wenn es für eine Rückkehr zum Zenit wohl nie mehr reichen wird.


