ZULU: Kritik zum knallharten Südafrika-Krimi mit Forest Whitaker und Orlando Bloom

Hinweis: die hier eingebundenen Trailer dienen ausschließlich zur visuellen Unterstützung und veranschaulichenden Ergänzung der Filmkritik. Alle Rechte liegen bei den jeweiligen Urhebern und Studios.

Die Story

Kapstadt, Südafrika: die Leiche einer weißen Studentin, Tochter aus wohlhabendem Hause, wird gefunden und Captain Ali Sokhela nimmt gemeinsam mit den Detectives Brian Epkeen und Dan Fletcher die Ermittlungen auf. Nur mühsam können die Cops Spuren zum Tod des brutal ermordeten Mädchens zusammentragen, stoßen aber schließlich auf eine Verbindung zur Modedroge Tik, die vor allem in den Townships grassiert. Und dann macht dem Trio eine tödliche Konfrontation mit einer Dealerbande am Muizenberg Beach in aller Härte deutlich, dass hinter dem Fall viel weiter reichende Verzweigungen stecken, die das Land auch zwanzig Jahre nach dem Ende der Apartheid noch zerfressen…

Die Kritik

Ein Mann in Flammen. Ein Sohn, der zusehen muss. Schreit. Flieht, um sein Leben rennt. Jérôme Salles Kapstadt-Krimi „Zulu“ lässt die Geister der Rassentrennung in Südafrika nicht heimlich spuken, er beschwört sie bereits in der Eröffnungsszene seines Films in aller Härte herauf, brennt sie dem Zuschauer ebenso ein, wie dem schlaflosen Polizisten Ali Sokhela, der Jahre später nicht vergessen, aber vergeben hat. „Largo Winch“-Regisseur Salle genügen wenige Minuten, um seinen vierten Spielfilm deutlich zwischen südafrikanischer Gegenwartsreflexion und grimmigem City Crime-Thriller anzusiedeln, eine gravitale Kraft zwischen den Charakteren und den beiden Elementen zu erzeugen. Die Adaption des Romans von Caryl Ferey geht dabei nicht eben subtil ans Werk, aber mit beständigem Druck auf die Ermittler, der sich in einen powerstrotzenden, atemlosen Erzählrhythmus auf- und entlädt.


Salle tut gut daran, den Kessel permanent unter Feuer zu halten, denn für sich betrachtet sind weder der Plot noch dessen Subebenen sonderlich interessant, beziehungsweise ausgereizt. Die Krimihandlung ist in ihren Dimensionen wie ein auf Spielfilmlänge gestrecktes „CSI: Kapstadt“ zu betrachten, die Apartheid-Intro- und Outrospektionen gestalten sich zum Teil extrem plakativ und lexikalisch: ein Gespräch zwischen den drei Ermittlern Sokhela, Epkeen und Fletcher, sowie dessen krebskranker Frau, liefert nicht nur einen konsumfertig-belehrenden Abriss der Truth and Reconciliation Commission, sondern gerät auch so aufgesagt wie Schultheater; als unterhielten sich hier nicht Menschen, die die Gräuel miterlebt, mitdurchlitten hätten, sondern lediglich im Geschichtsunterricht davon gehört haben und sie nun nach unterschiedlichen ethischen Massstäben standpunktdiskutieren, Nelson Mandela-Zitat inklusive. Diese Szene fällt in ihrer Plumpheit allerdings wirklich weit heraus, „Zulu“ packt den Holzhammer zwar öfter aus, lässt ihn aber nicht oft derart knochenbrechend hinab prügeln.


Die Ermittler indes bedienen gängige Steroetypen, Sokhela der ernste Workaholic, Epkeen der abgebrannte fuck the Vorschriften-Bulle, natürlich nur echt mit Autoritäts- und Suchtproblem, keifender Ex und vorwurfsvollem Sohn. Dazu der unscheinbar-optimistische Fletcher, ehrlicher Familienvater. Typen, die sich innerhalb von Crime Thriller-Mechaniken nicht umsonst etabliert haben und die auch für „Zulu“ funktionieren, ausgesetzt in einem aufgeheizten Herd ständiger Gewalt, Korruption und einer tief verwurzelten Zerrüttung. Die Autorität einer Dienstmarke bedeutet gar nichts auf den Straßen und an den Stränden von Kapstadt, der Kampf gegen ein den Regeln entrücktes, brutales Verbrechen ist eine Auseinandersetzung weniger Aufrechter, der Apparat in ihrem Rücken von der selben dunklen Vergangenheit geprägt, wie die Auswüchse der Kriminalität in Politik und Ökonomie. Wie die drei Cops damit interagieren bleibt bis zum Schluss hochspannend, „Zulu“ bietet keine ausgedehnten Komfortzonen, eigentlich nur die Option, dem Captain und den Detectives alles Gute zu wünschen und darauf zu hoffen, dass die Handlung von ihnen wegschneidet, ohne dass ihnen etwas zugestoßen ist, denn diese stetige Gefahr brodelt den ganzen Film lang ohne Unterlass.


[Achtung, SPOILER-Tendenzen im folgenden Absatz]Zunehmend heftet „Zulu“ das persönliche Schicksal der Ermittler so knüppelhart an ihren Fall, dass man gar nicht anders kann als für sie zu rooten, über das Dealergesindel stellt sich eine glatzköpfige Herrenschicht und eine moralisch erstickend-widerwärtige Pharma-Ideologie, eine grausame Methamphetaminselektion der schwarzen Bevölkerung. Ausgerechnet zum Ende hin vergreift sich „Zulu“ ein paar Mal im Ton, eighty minutes in, das Ding wird grad richtig dramatisch, da sollte es für den Kinosaal nichts mehr zu kichern geben. Schließlich drängt „Zulu“ in eine Ecke ohne Differenzierungsmöglichkeit, ehe die Limits ausgereizt, die Grenzen überschritten sind, die Lehre der Vergebung ihren Dienst versagt und die gebetsmühlenartigen Selbst- und Fremdbesänftigungen weichen, der generische Krimi-Plot endgültig hinter einem Bild, einer Metapher verwischt: langsam, unerbittlich holt den weißen Mann die Vergeltung seiner Sünden ein – und am Ende gibt es kein Entkommen, für Niemanden. Schuld. Rache. Eine immerwährende Wüste. Ohne Ausweg. Ohne Hoffnung. Der Showdown wird zum Slowdown, der lächerlich hätte wirken können, wenn nicht Forest Whitaker wäre, der Ausdruck auf seinem Gesicht…[SPOILER Ende]


„Zulu“ ist hart und schonungslos, rechtfertigt seine 18er-Freigabe mit abgetrennten Körperteilen, heftigen Shootouts und offenen Augen für Kindergewalt und abartige Machenschaften, gesteuert aus der Deckung der Absolution. Forest Whitaker und auch Orlando Bloom, trotz ganzheitlicher Nacktheit und durchtrainiertem Körper weit weg vom sexy Elben- und Freibeuter-Image, liefern starke und glaubhafte Leistungen, die über die Einfachheiten der Rollenanlage hinaus gehen. Alexandre Desplats schwelender, unheilsuggerierender Score und Denis Roudens ungeschönt-raue Bilder tragen ihren Teil zur dichten Atmosphäre bei. Eine Aussicht auf Erlösung für die geschundene südafrikanische Landes- und Volkesseele lässt „Zulu“ nicht zu, pessimistisch ist der giftverströmende Pumpenschlag zwischen schwarzem und weißem Herzen, im offenen Kontrast zwischen den Reichenvierteln und der Armut in den Townships wie in den Nebensätzen, den Beleidigungen, den abschätzigen Blicken, der lediglich von einer dünnfasrigen Decke verborgenen Rassenideologie. „Zulu“ ist kein Film der Verständigung, der Verbesserung, lediglich einer des Zurechtfindens, des Ertragens und des kleinen, fast kaum bedeutenden Handelns, um den geschwollenen Körper des Hasses wenigstens ein bißchen anzupieken und ein paar seiner Geschwüre zum Platzen zu bringen…

Wertung & Fazit

Action
50%

Mengenmäßig kein Actionbrett, aber ein paar harte und direkte Shootouts.

Spannung
90%

Der Krimi-Plot und die Figurengrundlage sind Standart, das unerbittliche Setting und der permanente Druck und das Tempo sorgen dennoch für einen fast durchweg hohen Spannungspegel.

Anspruch
60%

Die Allegorien sind nicht sehr tiefgreifend, aber dennoch aufwühlend und in ein knallhartes Korsett aus Realismus und Ungeschöntheit eingelagert.

Humor
10%

Orlando Blooms Lotter-Cop sorgt gelegentlich für Auflockerung.

Darsteller
90%

Forest Whitaker spielt gewohnt großartig zwischen unbestechlicher Autorität und gebrochenem Mann, als zynisch-versiffter Weiberheld und Problem-Cop liefert zudem Orlando Bloom ein persönliches Karriere-Highlight.

Regie
80%

Dicht inszeniert, ohne Abriss der Spannungskurve. Auch wenn zwischendurch ein wenig zu aufgesetzt ins theoretische Geschichtsdiktat abgedriftet wird.

Film
70%
So pessimistischer wie mitreißender Kapstadt-Thriller voller Gewalt, sowie obligatorischer Handlungs- und Charaktermuster. Setting, Darsteller und der konstant hohe Spannungspegel tilgen die Schwächen.

(Diese Kritik wurde ursprünglich am 7.05.2014 veröffentlicht)

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